Mühl, Karl Otto: Aus dem Hinterhalt


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Mühl, Karl Otto: Aus dem Hinterhalt

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Kundenbewertungen zu Mühl, Karl Otto: Aus dem Hinterhalt

Anzahl der Bewertungen: 3
Durchschnittliche Bewertung: 5
lesens- und liebenswert.
von Anonymus am 23.02.2016
Karl Otto Mühl ist ein wunderbarer Erzähler, ein Mit-Mensch mit dem Vermögen der Empathie, ein Menschenfreund eben. Seine Geschichten aus dem Alltag der kleinen Leute, den er nur zu genau kennt und dessen eigene Erfahrung oft genug in seinen Texten Niederschlag findet, sind mitfühlend, aber auch punktgenau beobachtet....„Karl Otto Mühls Prosa sitzt nicht selten der Schalk im Nacken. In den hier versammelten (…) Satiren aus mehreren Jahrzehnten zeigt sich die wahre Kunst des Autors, das Treffende so einfach und knapp wie möglich zu sagen.“ Soweit der Verlag, dem ich allerdings in einem Punkt mit Nachdruck widersprechen muß. Den Schalk mag man durchaus durchgehen lassen, man hört ihn oft genug zwischen den Worten und Zeilen kichern. Und Mühl trifft stets die humanistische Pointe. Satiren aber sind Karl Otto Mühls Erzählungen nicht, denn dazu fehlt ihnen bewußt die kritisch aggressive Bloßstellung bestimmter negativer gesellschaftlicher oder individueller Zeiterscheinungen...Aber lesen Sie zur Urteilsbildung und natürlich zu Ihrer guten Unterhaltung selbst. Begegnen Sie Menschen mit Fehlern und Marotten, sehen Sie Momentaufnahmen und erkennen Sie, wie wichtig das im Leben sein kann, was zunächst gar nicht so aufträgt. Karl Otto Mühl hat das Vermögen es Ihnen zu zeigen. Natürlich auch mit Augenzwinkern.
Trocken, knapp, fast immer auf den Punkt
von Anonymus am 17.02.2016
Mühl ist in den hier versammelten Texten ganz er selbst. Trocken, knapp, fast immer auf den Punkt – ein Erzähler ohne großes Brimborium, dafür mit klarem Blick auf sich selbst und die Menschen. Er seziert (wenn's nötig ist) offen und ohne Blatt vor dem Mund, verletzt aber nie. ... Gut zu lesende Satiren aber – weil sehr schräg und drum sehr gut – sind beispielsweise "Studentenschicksal", "Lauter freundliche Menschen", "Tacko" mit dem sprechenden Hund – sowie vor allem das abstruse, bayerische Gesundheits-Freizeit-Debakel "Von der Schwierigkeit zu wandern". Das Etikett "kleines Stück großer Literatur" dagegen verdient sich "Hans im Glück" – vor allem aber die erschütternd ehrliche Erzählung "Frau mit Gipsbein". Die – und hauptsächlich ihr Schlusssatz – lassen einen schlucken.
Buch der Woche
von Anonymus am 08.02.2016
Lust und Liebe, Frust und Hiebe oder der Geruch von Fräulein Tückmantel sind Themen unseres Buchs der Woche, nämlich Karl Otto Mühls neuer Satirensammlung.
Der Altmeister aus dem Uellendahl lässt uns teilhaftig werden an den Erfahrungen, die ein Literat macht, der die „Wasserhauptverwaltung“ in einem günstigen Licht erscheinen lassen soll, dem aber „nicht deutlich gesagt“ wurde, „zu welchem Ereignis das Werk des Schriftstellers benötigt würde, und auch nicht, was darin am besten gesagt oder wenigstens versteckt zum Ausdruck gebracht werden sollte“ (Wassersuche, Seite 23). Mühl beschreibt die Höhen und die Ebenen künstlerischen Schaffens, er „kennt“ einen Dichter „und weiß daher, wie diese Prozesse in ihm ablaufen“ (Der Künstler und sein Werk, S. 102). Ja, er thematisiert mit reichlich Ironie „das erschreckende Unverständnis, das uns Schriftstellern immer wieder bei Rezensenten begegnet“ (Damenbauch, S. 30).

Vor allem aber lässt der im Schicksalsjahr 1923 geborene Dramatiker, Romanautor, Aphoristiker und Geschichtenerzähler, der sich selbst und von daher zu Recht auch andere gern auf die Schippe nimmt, den Leser an den Erfahrungen eines Seniors teilhaben etwa mit altersgerechter Ernährung.
Insgesamt umfasst das von Torsten Krug sorgfältig lektorierte und von Barbara Meynen nicht minder sorgsam korrigierte Bändchen 23 Texte, und wer vorn zu lesen anfängt, stellt schnell fest, dass sich die Storys von Seite zu Seite steigern. Manches erinnert, wie der Mann ohne Kopf, bei dem es einen typisch Mühlschen Seitenhieb auf „Schönheitschirurgen mit Galgenvogelgesichtern“ gibt (S. 33), an Kurt Kusenberg.

Herrlich die Satire Es naht das Meer, es nah’n die Geusen, in der die Übernahme einer kleinen Fabrik durch niederländische Heuschrecken abgehandelt wird, übrigens der einzige Text, in dem Mühl auch politische Zeitkritik betreibt: Die Holländer erwähnen „nie den Krieg, der vor mehr als fünfzehn Jahren zu Ende gegangen war. Da sollte es ja zu Übergriffen von Seiten der Deutschen gekommen sein, ja, zu Deportationen von Juden. Mit Recht erwähnten die Gäste das nie. War ja auch richtig, wir waren es schließlich nicht gewesen, das waren die anderen, die vor uns, sagten viele, und da auch nur die echten Nazis“ (S. 56).

Das hat jeder schon erlebt, aber kaum einer so treffend zu Papier gebracht: Lauter freundliche Menschen lernt man an Hotlines kennen. Kostprobe gefällig? „Die Dame empfing mich am Telefon wie einen alten, privilegierten Freund“ (S. 65). Nur helfen tut einem so schnell niemand. Was „Eduard Zorn“ dem Präsidenten der Bundesärztekammer schreibt, soll hier nur angedeutet werden, geht es doch um die zahlungspflichtigen Zusatzangebote, mit denen der sowieso schon schockierte Patient zur Ader gelassen wird (Designer-Füllung, S. 74 ff.). Der Rezensent – um zum Schluss zu kommen – hat die Mühlschen Geschichten in einer Situation gelesen, in der ihn was auch immer gewaltig auf die Palme gebracht und die Geistesblitze, feinen Formulierungen und witzigen Einfälle wieder heruntergebracht haben. Seniorengerechtes Lesen: Danke, Karl Otto!

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