Grotjahn, Friedrich: Helga im Kamin und andere Geschichten. (EPUB)


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Grotjahn, Friedrich: Helga im Kamin und andere Geschichten. (EPUB)

Artikel-Nr.: 808
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Siebzehn Geschichten. Ganz schön skurril, einige wenigstens: da wird jemand zur Taube, ein anderer steigt in ein Bild hinein und erlebt darin eine rasende Busfahrt durch den Weltenraum. Es gibt Szenen, wie sie jeder schon mal erlebt hat: ein Klassentreffen, eine unverhoffte Begegnung mit einem miesen Menschen von früher, und man kann nicht ausweichen. Es geht um Erinnerungen: an das Vaterhaus, den Unfall, das Grab des Mannes. Es geht um das Zurechtfinden müssen in gewandelten Zeiten: so der Cowboy, der erleben muss, dass sein Gegner, statt sich ihm zu stellen, einen Rechtsanwalt vorbei schickt. Und schließlich geht es um die „Schöne neue Welt“ des Ruhrgebiets. Zwei Geschichten heben sich auch schon durch ihren Umfang von den vielen anderen heraus: In „Sonnige Tage“ treffen ein lebensmüder Verkäufer und ein Obdachloser aufeinander, zugleich zwei Vorstellungen von Glück. Und in der Titelgeschichte geht es um Liebe in versteinerten Verhältnissen, und das Ruhrgebiet als Reich der Freiheit. Horst Dieter Gölzenleuchter, der schon das letzte Buch Friedrich Grotjahns bebildert hat, hat das Titelbild und Tuschzeichnungen zu zehn der Geschichten beigesteuert. Starke Bilder, die sich durchaus nicht als Illustration, sondern als Interpretationen verstehen. Sie bringen eine buchstäblich neue Blickrichtung in das Buch. FRIEDRICH GROTJAHN: *1935 in Hary/Niedersachsen, Journalist und Autor, wohnt in Bochum. Als gelernter Theologe war er bis 1991 auf verschiedenen kirchlichen Arbeitsfeldern tätig. In seinem „zweiten Leben“, seit 1991, arbeitet er als Radio-Journalist und Buchautor und ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller und in der „Kogge“. PRESSE: „Helga im Kamin“ und andere Geschichten von Friedrich Grotjahn Wenn der verlorene Sohn in Franz Kafkas kleiner Erzählung „Heimkehr“ nach Hause kommt, bleibt er wie erstarrt vor dem Hof des Vaters stehen. Er wird nicht heimkehren. Anders in Friedrich Grotjahns gleichnamiger Eingangsgeschichte aus dem Buch „Helga im Kamin – und andere Geschichten“, das, begleitet durch Zeichnungen von Horst Dieter Gölzenleuchter, im Bochumer Brockmeyer-Verlag erschienen ist. Bei Grotjahn gibt es die Heimkehr, gibt es ein Wiedersehen mit dem Vater. Der alte Mann hat schon auf seinen Sohn gewartet. Das Heimkehr-Motiv zieht sich durch viele der hier versammelten siebzehn Geschichten, ebenso wie sein Gegenstück: das Motiv vom Abschied. Grotjahn macht klar, dass Heimkehr und Abschied – auch in seiner letzten Konsequenz – nur Kehrseiten derselben Medaille sind. In der Geschichte „Klassentreffen“ finden beide Motive versöhnlich zueinander, und zwar im Bett. Und die Titelgeschichte „Helga im Kamin“ deutet an, dass man in den Ruhrpott heimkehren kann, selbst wenn man noch nie dagewesen ist. Grotjahns Sprache ist locker, oft lakonisch, geschult an Borchert und Böll, den Meistern der Kurzgeschichte. Seine Dialoge formt er nah an der Alltagssprache, sie stehen mitten im Leben. Schnell findet der Leser Vertrauen zu den Figuren dieser Geschichten, besonders zu den Frauen; als Grotjahnleser meint man, einige von ihnen schon zu kennen. Aber vor Überraschungen ist man bei diesem Autor nie sicher: Einem Busfahrer begegnet auf seiner gewohnten Strecke immer wieder ein schwarzer Todesengel, Odysseus taucht mit einer Flasche Rum in Lenas Küche auf und ein Cowboy reitet aus einem Bild heraus bis in die blauen Berge. Horst Dieter Gölzenleuchters Pinselzeichnungen kommentieren die Geschichten auf gewohnt eigenständige Weise, akzentuieren, was dem Künstler wichtig ist. Text und Bild ergänzen einander. Man merkt, hier haben zwei Freunde zusammen gearbeitet. Es hat sich gelohnt. (Rainer Küster, WAZ vom 10. 12. 2011)

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