Nollé, Heimito: Aussätzer


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Nollé, Heimito: Aussätzer

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HEIMITO NOLLÉ wurde 1970 in Zürich geboren. Er studierte Philosophie und Geschichte an den Universitäten Zürich und Berlin und schloss mit einer Arbeit über Hannah Arendt ab. Sein literarisches Interesse gilt vorwiegend dem Aphorismus und der Lyrik. Heimito Nollé ist 1. Preisträger des Aphorismen-Wettbewerbs 2014 des Deutschen Aphorismus-Archivs (DAphA). Die Aphorismensammlung „Aussätzer“ ist sein Erstling. Seit 2008 ist Nollé als Medienanalyst tätig. Er lebt mit Frau und Hund in Merenschwand, Schweiz. ZUM BUCH: Einer seiner preisgekrönten Aphorismen lautet: „Um den Schein zu wahren, verbirgt sich Größe oft im Unscheinbaren.“ Überzeugt hat die Juroren zum einen „die gleichmäßige Qualität der eingereichten Aphorismen“, zum anderen „die bildhafte Umsetzung“. Neben der philosophisch-inhaltlichen Fundierung sind es genau diese Gütekriterien der bildhaft-metaphorischen und sprachlich-stilistischen Ausgestaltung, die auch die Texte dieser Veröffenlichung mit dem originellen Titel „Aussätzer“ auszeichnen. ...Er selbst ist kein „epischer Charakter“; seine Texte sind kurz und prägnant, dabei jeweils „mehr als ein Spruch, ein Einspruch.“ Das berühmt-berüchtigte Potenzproblem des Aphoristikers (nach Hanns-Hermann Kersten: „je kürzer- desto besser“) wird auch von ihm beklagt: „Der Aphoristiker ist ein schlechter Liebhaber – kaum auf der Höhe, kommt er schon zum Punkt.“ ...Was ihn durchgängig zu kritisch-aphoristischen Kommentaren herausfordert, ist das Geschwätzige, das Laute in unserer Kommunikationsgesellschaft. Dies belegen die folgenden Beispiele:: „Die schlimmste Lärmbelästigung … ist das Platzen von Sprechblasen.“ / „Im Rauschen der Informationsflut hört man den Ertrinkenden nicht.“ / „Die Bilderflut zerstört jede Anschauung.“ Darin wird sein zentrales Anliegen, Aphorismen zu schreiben, deutlich: Aphorismen sind für ihn „kleine Lichtungen im Phrasenwald.“ ...Hier einige bissig-appetitliche Kostproben: „Er sank immer tiefer, bis auf die Höhe der Zeit.“ / „Eine Zeit, in der sich alles bewegt, ist nicht zwangsläufig eine bewegte Zeit.“ / „Hoffentlich kommen unsere Nachkommen nicht nach uns!“ / „Wir betreiben Raubbau an der Zeit: von der langen Weile bleiben nur noch Schrecksekunden.“ ... Neben den grundlegenden Stilmitteln der Verknappung und Überraschung beherrscht er gleichermaßen den wirkungsvollen rhetorischen Kniff der Pointierung und Übertreibung: „Beim Versuch des aufrechten Gangs bringen es viele nur bis zum Strammstehn.“ Von der beißenden, (selbst)ironischen Kritik bleibt auch sein Geburts- und Heimatland Schweiz nicht verschont: „Um den Horizont der Schweiz zu erweitern, müsste man Berge versetzen können.“ Oder als lakonische (Schein-)Definition: „Die Schweiz, ein Alptraum.“ Ferner finden wir bei Nollé auch viele sprachliche Neuschöpfungen (Neologismen), so u.a. „Egotripper“, „Sprach-Emissionen“, „Uhrteil“, „Bildungsdrohung“, „Broschürenkunst“, „Bodybuilder der Literatur“. Der Aphorismus in Frageform kommt ebenfalls vor: „Mit wem betrügt man sich selbst?“ / „Was nützt Langlebigkeit in einer kurzlebigen Zeit?“ / „Er ist Vorstand der Firma, warum sollte er hinter ihr stehen?“ ... Nollés „Aussätzer“ stellen eine viel versprechende Bereicherung der gegenwärtigen Aphorismus-Landschaft dar.(Aus dem Vorwort von Jürgen Wilbert)

leseprobenLeseprobe: Aussätzer

Großer Bericht in der Aargauer Zeitung am 16. 10. 2014

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