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Vom 3. bis 10. September 2010 fand im Kunstmuseum Bochum die von der Literarischen
Gesellschaft Bochum präsentierte 7-Tage-Nonstop-Lesung „Tugend und Laster“ statt. Man hat die Idee als überspannt, avantgardistisch und
auch romantisch bezeichnet: Bücher nicht durch die
Augen zu schicken, wie dies seit Gutenberg die abendländische
Wahrnehmung geprägt hat, sondern zu Gehör
zu bringen, sie aufzuführen und akustische Entdeckungsreisen
zu starten bis hin zur Performance.
Wir waren die Stimme/n der Literatur, sieben Tage und
sieben Nächte lang ohne Pause von Tugend und Laster
kündend. Eine ebenso charmante wie ehrgeizige Idee: Nicht
weniger als 168 Stunden waren der Literatur gewidmet, um Bochum als „Stadt des Wortes“ zu profilieren.
Geplant war, über eine schier endlos lange Strecke die
Literatur von allem Seminarstaub zu befreien, die Texte
der leuchtenden und verschatteten Dichter und Schriftsteller
als einprägsames, unterhaltsames Erlebnis zu
präsentieren – und (fast) alle machten mit. Beinahe 200
Vorleser packten ihre Bücher aus und schlugen sie an der
vorgemerkten Stelle auf. Bochum erlebte einen Rausch
an Texten, der die Welten zwischen Buchdeckeln
in bisher kaum gekannter Weise zu Filmen im
Kopf der Zuhörer verwandelte. .
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