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MONIKA LITTAU: wurde 1955 in Dorsten geboren. Nach
dem Studium der Germanistik, Geografie und Musikwissenschaft
in Bochum und Münster arbeitete sie mehr als 20 Jahre
in Forschung, Bildung und Kulturförderung, zuletzt im
Kulturministerium NRW: Monika Littau verfasst Lyrik und Prosa für Erwachsene
sowie Kinderliteratur. Sie schrieb für Hörfunk und Bühne
und veröffentlichte daneben Sachbücher (weitere Informationen
unter www.monika-littau.de).
Seit 2007 lebt sie als freie Autorin im Ruhrgebiet und im
Rheinland: Zur Lyrik von Monika Littau (aus dem Nachwort von Wolfgang Kubin): "Monika Littau schreibt streng, ihre Texte sind strikt
durchkomponiert: Sie liebt den Stabreim (vgl. S. 50), sie läßt
ein Gedicht gern an seinen Anfang zurückkehren (vgl. S. 8),
sie wählt kein Wort zuviel und keines zuwenig.
Die Dichterin schreibt moderne, keine gegenwärtigen
Gedichte. Die Moderne ist noch eine Herberge für die Schönheit,
die Gegenwart ist es nicht. Die Moderne hat eine Vorliebe
für wenige erlesene Worte, sie poetisiert nicht den Alltag.
„Schnellimbiß“ wäre ihr weder ein gemäßes Wort noch ein
angemessener Gegenstand. Auch hier lesen und hören wir
immer wieder von den alten Worten, die unsere Heimat sind.
Monika Littau ist Augenmensch, und so entwirft ihr lyrisches
Ich eine Welt der Natur, die wir kennen und doch nicht
kennen. Was zum Beispiel ist ein Taupunkt? Wir wissen, was
Tau ist und auch was ein Punkt ist. Doch ein Taupunkt?
Und eben dies ist es, was gute Dichtung ausmacht: Daß
sie zum Innehalten zwingt, zur Frage, wer spricht, wenn das
Ich nicht spricht (vgl. S. 8), was Wahrheit sei, wenn diese sich bei jeder Aktion verschiebt (vgl. S. 33), wenn der gelungene
Vers den Leser eigentlich so wenig braucht wie ein Hase den
Jäger (vgl. S. 26)".
LESEPROBE s. rechts unser neuartiges BIBLET! BUCHBESPRECHUNG : Die Stille im Großraumwagen
Worte aus der Metaphysik des Aristoteles
und aus Hans Magnus Enzensbergers Die
Geschichte der Wolken hat Monika Littau
ihrem Gedichtband Beim Überschreiten des
Taupunkts vorangestellt. Ein Zusammengesetztes
sei, wie eine Silbe, mehr als die
Summe der Bestandteile, sagt der eine;
gelegentlich „die Augen gen Himmel zu
wenden“, zu den einflussreichen Wolken,
empfiehlt der andere.
Dem Mehrwert von Buchstabenfolgen vertraut
die nordrhein-westfalische Autorin vom
Jahrgang 1955 auf entsprechend unspektakulare
Art. Sie setzt in dem mit eigenen Fotos
ausgestatteten Band zudem auf den Effekt
exakter Beobachtung. Fur den Blick zu den
Wolken neigt sie sich zu niederen Pflanzen:
„ins leere ins schwarze/ gedeiht was sich
Nach dem Besuch einer Lesung von Raoul
Schrott offenbar aus lyrischen Hohen
sinkend, wird das Vers-Subjekt in „unsagbar“
von der profanen Wort-Wirklichkeit
aufgefangen: „halt gibt das wort/ dom,
hauptbahnhof, gleis 10/ und die stille im
grosraumwagen“. Die einzigen Kommas
im ganzen Band setzen hier die subtile
Pointe.
Monika Littau bewegt sich zwischen Flechtenwelt
und Himmelszelt. Meist nah der
Natur befragt sie – quasi nach der Natur
– auch langsam aus der Mode kommende
Begriffe wie Seele, Fegefeuer oder „im lauen
Gedicht, gibt sie am Schluss zu bedenken:
„wie ernahrst du den himmel/ dass deine
gedanken/ gewicht verlieren“.
(Rolf Birkholz)
Monika Littau: Beim Überschreiten des Taupunkts.
Gedichte. Mit einem Geleitwort von
Wolfgang Kubin. 80 Seiten. Universitätsverlag
Dr. N. Brockmeyer. Bochum 2011. € 9,90.
In: Am Erker, Nr. 62, Freundschaft – in Arbeit, Münster, Dezember 2011, S. 132.
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