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SCHNUPPERTEXTE: 'Wir sehen uns nur noch bei Duellen in die Augen';
'Die größte Religionsgemeinschaft
bilden die Kleingläubigen';
'Wer sich in das Böse nicht hineinversetzen will,
befürchtet nur, dass es ihm dort gefallen könnte';
'Das Geistlose ist der schlimmste Spuk';
'Sie stehen vor einem Scherbenhaufen
und bewundern, wie fein das Porzellan ist'.
ZUM BUCH: Im Aphorismen-Wettbewerb des Deutschen Aphorismus-
Archivs Hattingen errang Ludwig Fienhold 2012 den ersten Platz. Seine Textbeiträge, die auch
in diesem Band enthalten sind, überzeugten die Jury u.a. aufgrund
ihrer prägnant-ausdrucksstarken Bildsprache Es sind Denkzettel oder Denk-Anzettelungen im
besten Sinne. Wörtlich heißt es
in der Begründung der Jury: „Er weiß das Wortspiel in einer
Weise fruchtbar zu machen, die nicht aufdringlich ist und sich
erst auf den zweiten Blick, dann aber mehrbödig und anregend,
zu erkennen gibt.“ Als Beleg wird hier genannt: „Das Geistlose
ist der schlimmste Spuk.“ Fienhold versteht es, die Leser/innen
gekonnt in seine Gedankengänge hineinzuziehen – herausfinden
müssen sie dann schließlich selbst. Damit bestätigt sich wieder ein Wesensmerkmal
des Aphorismus: er ist unbequem, sein Sinn erschließt sich
nicht von selbst, eine weiterreichende, erschließende Denkanstrengung
des Lesenden ist unabdingbar, wie etwa in diesem
Beispiel, das mit einer ungewöhnlichen Metapher aufwartet::
„Die Erde ist eine Kugel im Gewehrlauf der Despoten.“ Dieser
Satz führt unmittelbar zu einer Bildfolge im Kopf des aufmerksamen
Lesers – sozusagen mit Sprengkraft. Kein Wunder, dass
die für diesen Band ausgewählten Zeichnungen des polnischen,
international renommierten Künstlers Zygmunt Januszewski
dialogisch bestens dazu passen. Und wie definiert der Aphoristiker Fienhold selber sein
Schreiben?
'Aphorismen wollen auf den Geist gehen.'
Geistreiche werden ihm dabei gern folgen. (Aus dem Vorwort von Jürgen Wilbert)
BIOGRAPHISCHES: Ludwig Fienhold ist gelernter Kulturredakteur und arbeitete viele Jahre für die Satire-Zeitschrift Pardon. Auch als Redakteur bei der Frankfurter Rundschau veröffentlichte er dort regelmäßig Satiren und Aphorismen. Neun Jahre war er freier fester Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und mehr noch der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Ludwig Fienhold lebt und arbeitet als freier Autor in Frankfurt am Main. Themenschwerpunkte: Lyrik, Prosa, Erzählungen, Aphorismen, Satiren, Reisereportagen, kulinarische Berichte.
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